„Wir tun so, als ob die Musikakademie schon im Betrieb wäre”

Das Kulturforum Schloss Alteglofsheim e. V. ging aus dem am 15. Oktober 1990 gegründeten Förderkreis Dritte Bayerische Musikakademie Schloss Alteglofsheim e.V. hervor. Initiator und erster 1. Vorsitzender war der Bundestagsabgeordnete Benno Zierer.
Der Förderkreis machte es sich zur Aufgabe, die Errichtung einer dritten bayerischen Musikakademie in Alteglofsheim voranzutreiben und zu unterstützen. Schon vor dem Beginn der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durch den Freistaat Bayern trat der Förderkreis mit Veranstaltungen an die Öffentlichkeit, um das Schloss und die künftige Institution im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Diese Arbeit war dringend notwendig, da das Schloss als solches in der Öffentlichkeit höchst umstritten war; es hatten sogar gewichtige Stimmen erhoben, die forderten, das Schlossgebäude abzubrechen und den Schlosspark in ein Baugebiet zu verwandeln. Diese Gefahr war durchaus real.
„Wir tun so, als ob die Musikakademie schon im Betrieb wäre”, meinte damals der pragmatische und unkonventionelle Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf J. Eichenseer.

Bewusstsein schaffen durch Veranstaltungen

Die Instandsetzungsarbeiten an dem durch eine fast 150jährige Vernachlässigung äußerst marode gewordenen Schlosses nahmen ein Jahrzehnt in Anspruch, von 1992 bis 2002. Um das Interesse der Öffentlichkeit während dieser langen Zeit aufrecht zu erhalten, veranstaltete der Verein jährlich bis zu acht Veranstaltungen rund um das Schloss. Dazu gehörten die legendären Konzerte des damals in Regensburg stationierten Heeresmusikkorps 4 im Schlosshof, zu denen hunderte von Begeisterten strömten, dazu gehörten im kleineren Rahmen Konzerte mit klassischen Ensembles in der Schlosskapelle und im Tafelzimmer, die zu den ersten sanierten Räumen gehörten, und auch im Kaisersaal. Die Veranstaltungen fanden in der Baustelle statt und hatten dadurch eine ganz besondere Atmosphäre. Hinzu kamen in Zusammenarbeit mit dem Universitätsbauamt Regensburg öffentliche Schlossführungen am Tag des offenen Denkmals, die das Schloss einer noch breiteren Öffentlichkeit bewusst machten. Beim Tag des offenen Denkmals 1996 stürmten 600 Menschen die Baustelle!
Mehrtägige Geigenspielkurse in der Dorfwirtschaft gehörten ebenso zum Programm wie die Gründung des Adventskonzerts ‚Transeamus‘, bei dem unter anderem die Regensburger Domspatzen auftraten.

Bewusstsein bewahren

Mit der Einrichtung der Musikakademie 1998-2000 hatte der Förderverein seinen Zweck erfüllt. Um die Arbeit fortsetzen zu können, wurde aus dem Förderverein das Kulturforum Schloss Alteglofsheim.
Als die Musikakademie im Jahr 2000 ihren Betrieb offiziell aufgenommen hatte, kamen spektakuläre Veranstaltungen hinzu wie die Inszenierung der Geschehnisse des Jahres 1809 in einer Lesung mit dem bekannten, leider viel zu früh verstorbenen Schauspieler Udo Thomer 1999 oder die ‚französische Nacht‘ im Schlosspark 2003 anlässlich von 40 Jahren ‚Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit‘, mit einem barocken Feuerwerk und rund 500 Besuchern.
Barocke Kammeropern, die beliebten Wandelkonzerte oder das Barockfest 2013 ergänzten öffentlichkeitswirksam die auf interne Arbeit ausgerichtete Tätigkeit der Musikakademie. Einen Höhepunkt bildeten die von Joseph Berlinger inszenierten ‚Napoleon-Festspiele‘ 2009 anlässlich des 200. Gedenkens an die Schlacht von Eggmühl und die dreimalige Plünderung Alteglofsheims durch die österreichischen und französischen Truppen im April 1809.
Auch zwei wissenschaftliche Symposien zur Tätigkeit der Brüder Asam veranstaltete das Kulturforum 2004 und 2017.

Für das Schloss und seine Ausstattung

Da die Künstlerinnen und Künstler anfangs weitgehend auf ihre Gage verzichteten, konnte mit dem Erlös viel für die Ausstattung des Schlosses getan werden, wie die zweimalige Restaurierung der historischen Orgel aus dem mittleren 19. Jahrhundert in der Schlosskapelle, die Anschaffung von Mobiliar und Instrumenten, die Rückführung und Instandsetzung des ‚Heldenofens‘ von 1679 oder die Sanierung der Grabmäler der Reichsgrafen von Königsfeld aus dem 18. Jahrhundert, die das Kulturforum übernehmen und dauerhaft für das Schloss sichern konnte.

Heute

organisiert das Kulturforum in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Musikakademie im Jahr rund sechs Konzerte, Symposien, Kunstfahrten und andere kulturelle Veranstaltungen – die Mischung ist abwechslungsreich, auf hohem Niveau und zugleich populär. Leider schrumpfte die Mitgliederzahl aus verschiedenen Gründen von über 400 auf nun etwa 250.
In den nun 30 Jahren seines Bestehens kann sich der Verein zugutehalten, einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass aus einem über Jahrzehnte vom Zahn der Zeit sehr angenagten und verfallend dahindämmernden ‚Dornröschenschloss‘ ein musikalischer Kristallisationspunkt ersten Ranges entstand, der ein bedeutender kultureller Faktor für die gesamte Region geworden ist.