Eine kurzgefasste Schlossgeschichte

Die Wurzeln der Veste Alteglofsheim reichen weit in die Geschichte zurück. Es mögen über 1200 Jahre vergangen sein, als hier in karolingischer Zeit ein Holzkastell stand, das im Laufe des Mittelalters zu einer Niederungsburg „versteinerte“ und schließlich im 16. Jahrhundert als Schloss neu gebaut wurde.
Was Alteglofsheim heute so bekannt macht, begann erst, als 1658 der in Zaitzkofen residierende Freiherr (seit 1685 Reichsgraf) Johann Georg I. von Königsfeld das ehemalige Wasserschloss und die dazugehörige Hofmark erworben hatte und südlich des Alten Schlosses, das noch immer vom mittelalterlichen Bergfried überragt wird, das Neue Schloss mit seinen prachtvollen Paradezimmern erbaute. Es war immerhin der Leiter des kurfürstlichen Bauwesens in München, Enrico Zuccalli, der den Entwurf hierzu lieferte und kein Geringerer als Giovanni Battista Carlone, der Stuckator des Passauer Doms, der Basilika von Waldsassen und der Mariahilf-Kirche in Amberg, der unter Mitwirkung des Malers Carpoforo Tencalla den so genannten Kaisersaal ausstattete.
Die eigentliche Blütezeit begann, als Königsfelds Enkel, Reichsgraf Johann Georg II., im Jahre 1717 das Amt des kurfürstlichen Gesandten am Immerwährenden Reichstag in Regensburg verliehen wurde, das er bis 1731 innehatte. Mit seinem längst verschwundenen prachtvollen Park, der als erster in Bayern von Matthias Diesel nach dem Vorbild des Schlossparks von Versailles angelegt wurde, und der glanzvollen Ausstattung seines Stammsitzes, schuf Königsfeld einen beliebten Treffpunkt der Regensburger Reichstags-Gesellschaft. Um seine Zeitgenossen gehörig zu beeindrucken, holte sich der Schlossherr etwa zwischen 1700 und 1730 die gefragtesten Münchner Hofkünstler, wie den Architekten Giovanni Antonio Viscardi, den Maler Georg Asam und später seine Söhne Cosmas Damian und Egid Quirin, den Architekten und Dekorateur François de Cuvilliés, den Hofstuckator Johann Baptist Zimmermann mit seiner Werkstatt unter Johann Georg Üblhör und andere mehr und ließ so in einem kleinen Bauerndorf die Pracht des kurfürstlichen Hofes erstrahlen. In kaum einem anderen bayerischen Landschloss haben so viele führende Künstler des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts gearbeitet.
Nachdem die Königsfelder Schloss und Hofmark 1810 verkauft hatten und es nach einem Zwischenbesitzer 1835 an die Fürsten von Thurn und Taxis kam, verlor es seine Bedeutung und seinen Zweck, wurde ausgeräumt und schließlich durch Fürst Albert von Thurn und Taxis 1939 an einen Pfarrer und dessen Haushälterin verkauft. Die einst glanzvolle Gesandtenresidenz versank in Vergessenheit und drohte zur Ruine zu werden. Erst der Erwerb durch den Freistaat Bayern 1973 und die Umnutzung zur Dritten Bayerischen Musikakademie 1992-2002 brachte zurück, was Johann Georg II. von Königsfeld hier so geliebt hatte: eine Ahnung der alten Pracht, zu der die Schönen Künste, Musik, Tanz, Wissenschaft und Literatur untrennbar gehören.

Galerie